Rilke und Russland

Literaturmuseum der Moderne (Marbach), Strauhof (Zürich), Schweizerisches Literaturarchiv (Bern), Staatliches Literaturmuseum der Russischen Föderation (Moskau)/2016 – 2018

„Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich ein unausdrückbares Gefühl, etwas wie »Heimgefühl« – ich fühlte mit großer Kraft die Zugehörigkeit zu etwas, mein Gott, zu etwas in dieser Welt.“ (Rainer Maria Rilke über Russland)

Die Wanderausstellung »Rilke und Russland« zeigt die literaturgeschichtliche Bedeutung Rainer Maria Rilkes fast 30jähriger Beziehung zu Russland. Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt des Deutschen Literaturarchivs Marbach, des Schweizerischen Literaturarchivs Bern, des Strauhofs Zürich und des Staatlichen Literaturmuseums der Russischen Föderation Moskau. Sie wird an all diesen Orten zu sehen sein.

Rilkes inspirative und emotionale Hinwendung zu Russland resultiert in erster Linie aus seinem Naturerleben, seiner Suche nach Spiritualität und einer stark verwurzelten, nie erfüllbaren Sehnsucht. Entsprechend ist das erste Bild der Ausstellung ein Birkenwald, der sich auf den zweiten Blick als eine Durchdringung von Landschaft und Dichtung entpuppt. Die Birken, die Hauptstimme der Eröffnung, tauchen im Verlauf der Ausstellung immer wieder als Kontrapunkt auf. Die Ausstellungsgestaltung unterstützt mit ihren collagierten Tableaus assoziative Verbindungen und eine freie Bewegung im Raum. Auf dem Weg durch die Ausstellung entstehen auf diese Weise verschiedene Spannungsbögen.

Die präzise gesetzten Vitrinenkörper, ihre stets wechselnden Einschnitte und Öffnungen und nicht zuletzt die Arrangements der Exponate lässt ein Wechselspiel aus Präsenz und Absenz, aus Trennung und Verbundenheit, aus Evidenz und Auslassung entstehen. Die Gestaltung nimmt damit die spirituellen Suche und das Sehnsuchtsmotiv auf, das Rilke immer wieder – ideell wie real – nach Russland trieb. Inhalt und Gestaltung verbinden sich und führen die Besucher in das oft zerrissene, doch immer produktive Verhältnis ein, das Rilke zu Russland und seinen russischen Bekanntschaften hatte. Axialität und Überlagerung von Perspektiven dominieren die Ausstellungsräume, die Bezüge zu Strömungen aus der zeitgenössischen russischen Kunst zulassen.