Dokumentation Obersalzberg

Berchtesgaden/2014

Der Obersalzberg ist ein für die deutsche Geschichte und die Geschichte des Nationalsozialismus einzigartiger Ort. Er ist ein idealtypische Täterort, der durch eine absolute Abwesenheit der Opfer des Nationalsozialismus gekennzeichnet ist. Am Obersalzberg ist »nichts passiert«, und dennoch wurden hier Entscheidungen getroffen, die zu den größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit im 20. Jahrhundert geführt haben. Die Propaganda, die vom Obersalzberg ausging, darf nicht perpetuiert werden. Die Inszenierung der Nationalsozialisten darf nicht erneut inszeniert werden. Die Abwesenheit der Opfer darf nicht zu einer Theatralisierung der Täter führen. Dementsprechend kann es bei der Gestaltung der Dauerausstellung nicht um eine Vereinzelung von Tätern und Taten gehen, nicht um eine Loslösung des Orts von den Verbrechen, die hier geplant wurden. Statt einzelne Themen aufzuzeigen und kontinuierliche Erzählstränge zu generieren, geht es in dem Gestaltungsansatz eher um die Darstellung von Zusammenhängen, (Macht-)Strukturen und Funktionsweisen. Der Rundgang durch die neue Dauerausstellung ist durch die Ausstellungsarchitektur eindeutig vorgegeben. Die Besucherführung ist dabei multidimensional. Die Besucher können in den vielfältigen Blickbeziehungen, dem Nebeneinander und der Überlagerung verschiedener Ausstellungsebenen immer neue inhaltliche Bezüge herstellen. Die Folgen der Entscheidungen, die auf dem Obersalzberg getroffen wurden, der 2. Weltkrieg, die Vernichtung der Juden und der Mord an all jenen, die nicht der faschistischen Ideologie entsprachen, sind dabei immer sichtbar. Im Prolog auf die Thematik vorbereitet, beginnen die Besucher mit den drei zentralen Themenbereichen der Ausstellung, die im »Bruchstück« situiert sind. Zu den drei Themenbereichen sind in Form von »Psychogrammstelen« die Täterbiografien zugeordnet. An der äußeren Wand des Ausstellungsraums läuft eine »Chronologie« entlang, in der die Ortsgeschichte, Aspekte der Geschichte des Nationalsozialismus und weltgeschichtliche Ereignisse dargestellt werden. Am Ende des Rundgangs entlässt der Epilog die Besucher mit einer zum Nachdenken anregenden Medieninstallation, die das in der Ausstellung Gesehene aktualisiert und die Position der Besucher als unbeteiligte Betrachter hinterfragt.