Erinnerungsort Olympia-Attentat

München/2014

An einem Zeitenbruch laufen mehrere historische Linien zusammen und verdichten sich zu einer Gleichzeitigkeit verschiedener Zeitebenen. Diese Gleichzeitigkeit in eine bloße Aneinanderreihung von Fakten aufzubrechen, macht wenig Sinn bei einem Ereignis wie dem Olympia-Attentat 1972, bei dem 11 israelische Sportler von Attentätern umgebracht wurden. Die Bedeutung des Zeitenbruchs und das Gedenken an die Opfer würde untergehen. Ein poetischer Ansatz wird daher der Komplexität des Ereignisses eher gerecht, als die Besucher mit Informationen zu überhäufen. Um der Illusion des »neutralen« Orts, an dem der Erinnerungsort entstehen soll, zu entgehen und den immer noch nachwirkenden Zeitenbruch zu respektieren, sollte der Ort wie in einem Palimpsest überschrieben werden. Der Erinnerungsort für das Attentat sollte zwar deutlich erkennbar sein, sich dabei aber auf eine Weise in die Umgebung einfügen, die das vorhandene Gefüge des Olympiaparks nicht stört. Das vorgeschlagene Konzept macht den Erinnerungsort zu einer Lichtung zwischen Olympiastadion und Olympischem Dorf, etwas zurückgesetzt von der Böschung und in die Bäume des Parks integriert. Die gewählte Platzierung macht alle Bezüge (Olympiastadion, Denkmal von Fritz König, Connollystraße) präsent, ist mitten im Geschehen des Olympiaparks, aber dennoch nicht zu exponiert, sondern von Bäumen gerahmt. Die Lichtung öffnet einen Raum, in dem 11 Stelen frei angeordnet unter einer Wolke aus transluzenten Stäben stehen. Auf den Stäben sind die Opferbiografien zu lesen. Auf den zweiten Blick zeigen sich im Boden eingelassen an fünf Stellen Medienelemente im Boden, die weiterführende Informationen und Archivmaterialien über das Attentat präsentieren.