Echaz Auen – Stadtentwicklung

Pfullingen/2016 – 2017

Ausgangspunkt: die offene Gesellschaft

Die gesteigerte Mobilität in einer globalisierten Arbeitswelt führt – neben anderen Faktoren wie Klima-, Kriegs- und Krisenmigration – in einigen städtischen und ländlichen Regionen zu schrumpfenden Gemeinden, in anderen wiederum zu Wohnungsknappheit. Der Singlehaushalt als häufigster Haushaltstyp in Deutschland verstärkt diese ungleiche Entwicklung. Andere Wohn- und Arbeitsweisen sowie schicht- und altersübergreifende Bewegungsmuster gehen einher mit neuen Kommunikationsformen und zunehmend sich verflüssigenden Identitäten. Digitale Vernetzungen erlauben nicht nur die Wahl anderer „role models“, sondern befördern auch alternative Wirtschaftsformen (Stichwort Shareconomy). Gleichzeitig verstärken sich internationale ökonomische Abhängigkeiten. Lösungen für eine effiziente und umweltverträgliche Mobilität und die Schaffung ausreichenden und bezahlbaren Wohnraums in Ballungsräumen sind wesentliche Herausforderungen unserer Zeit. Bei der Entwicklung von Lösungsansätzen sollte keines dieser Phänomene einzeln betrachtet werden, sondern immer als ein Netz von gegenseitigen Abhängigkeiten. Die Echaz Auen bieten dafür eine einmalige Möglichkeit.

Konzeptueller Ansatz: Utopischer Pragmatismus

Ein Stadtquartier entwickeln heißt, den sozialen Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden, generationenübergreifende Handlungsfelder zu generieren und Räume für Kunst, Landschaft und Nachhaltigkeit zu schaffen. Unser Vorschlag für die Echaz Auen in Pfullingen will das Rad nicht neu erfinden, sondern bestehende sozialphilosophische und stadtsoziologische Ansätze sowie erprobte Modelle der Stadtplanung zusammenführen und – im Austausch mit Auftraggeber, Gemeinde und Nutzern – neue Verbindungen dieser Ansätze verwirklichen. Wir wollen an Beispielen und durch die Analyse bestehender Realitäten lernen, statt kontextlose, autoritäre Utopien zu entwickeln. Die Offenheit für Neues und die Orientierung am Bestehenden nennen wir utopischen Pragmatismus. Die Welt zu bewohnen heißt auch, die umgebende Lebenswirklichkeit zu verstehen und gesellschaftliche Deutungsansätze der Welt zu übernehmen. In diesem Sinne sollen die Echaz Auen ein Umfeld bieten, in dem sich Freiheit im Denken und im Handeln verwirklichen lässt.

Uns geht es dementsprechend nicht um die Verdichtung von Lebensraum, sondern um eine Verdichtung von Funktionen, die sich an wandelnde Bedürfnisse der Bewohner der Echaz Auen anpassen können. Wir wollen mit unserem Entwurf die Herausforderungen von Individualisierungsprozessen begreifbarer machen und ihre positiven Seiten stärken. Aspekte der Shareconomy, des Wissenstransfers und der intergenerationalen Kooperation soll mit der Planung des urbanen Quartiers in Pfullingen unterstützt werden. Der Entwurf schlägt architektonische Strukturen und Sequenzen vor, die Möglichkeitsräume eher denn festgefügte Wohn- und Arbeitseinheiten ergeben. Unabhängigkeit der Bewohner und innovative Handlungs- und Lebensweisen entstehen nur dann, wenn sich Menschen bereichernde und stimulierende Lebensräume schaffen können.

Unser Ansatz sieht Strukturen vor, die offen für neue Erzählungen sind.